Angekommen?!

Das ist eine Frage, die man sich nach drei Wochen durchaus stellen kann. Aber wann kann man denn von „Angekommen“ sprechen? Wenn man nicht mehr an Zuhause denkt? Wenn man sich mit den Menschen vor Ort gut versteht und einem die Arbeit Spaß macht? Was würdet ihr sagen?

Nach diesen drei Wochen hier, kann ich mittlerweile eigentlich schon sagen, dass ich angekommen bin. Ich habe mich mit meiner Umgebung vertraut gemacht. Sprich, ich weiß jetzt wo die nächste Bank ist, wo ich einkaufen kann und wo es schöne Plätze hat, um einfach mal für sich zu sein. Aber auch in der Arbeit fühle ich mich wirklich angekommen. Wie ja schonmal erwähnt, wurde ich sehr herzlich aufgenommen und es wurde und wird sich immer total lieb um mich gekümmert. Ich wurde gut in meine Arbeit integriert und finde mich mittlerweile wirklich gut zurecht. Die Menschen mit denen ich arbeite sind alle super nett und sehr humorvoll. Wir lachen viel gemeinsam und ich habe sie alle schon sehr ins Herz geschlossen! Und der Gedanke, dass ich in einem Jahr wieder gehe, macht mich traurig. Aber noch ist es nicht soweit, also lasst uns nicht mehr über Abschied reden.

Wie ihr ja wisst, arbeite ich hier beim JRS. Wer darüber mehr erfahren möchte kann einfach bei Meine Arbeit vor Ort vorbei schauen. Da es sich hierbei um ein Flüchtlingsprogramm handelt, habe ich auch den ein oder anderen Kontakt zu den Geflüchteten. Meine Arbeit hier besteht überwiegend daraus kleine Pakete oder Tüten mit Essen zu befüllen. Dabei wird mir natürlich auch geholfen. Besonders am Anfang, wo ich noch nicht wusste, wo ich was finde und so. Aber jetzt weiß ich eigentlich schon ziemlich genau, wo was ist. Wenn die Pakete dann fertig sind, laden wir sie ins Auto und fahren zu den Standorten, wo sich Flüchtlinge befinden. Bevor die Frage aufkommt, Nein es sind keine Camps in dem Sinn, dass dort viele Helfer sind. Es sind oft unbewohnte Häuser ein bisschen außerhalb der Stadt. Aber manche leben auch in Zelten. Wir bringen ihnen auf jeden Fall dann die Tüten mit Essen. Es handelt sich bei diesem Essen zum Beispiel um ungekochten Reis oder Trockenfrüchte. Es sind oft Sachen, die nicht gekühlt werden müssen und lange halten. Aber auch wenn wir mal wieder einkaufen gehen, weil nichts mehr vorrätig ist, fahre ich mit und helfe dabei. Und jetzt wo der Winter näher rückt, und die Winter sind wohl wirklich sehr kalt hier, verteilen wir auch Jacken oder feste Schuhe. Aber auch andere Klamotten, wie zum Beispiel Hosen oder dicke Pullover. Viel kommt hier von Kleiderspenden oder wir gehen selbst diese Sachen einkaufen. Hin und wieder desinfizieren wir auch ihre Häuser beziehungsweise ihre Schlafecken. Damit es ein bisschen gereinigt ist. Ich helfe aber auch gelegentlich im Büro aus. Sortiere Dokumente oder höre bei Besprechungen zu. Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich meine Arbeit hier wirklich sehr mag und es mir eine Freude macht, Anderen eine Freude zu machen.

Es waren jetzt aber auch in den letzten zwei Wochen immer mal Personen aus anderen Ländern hier. Einmal zum Beispiel aus Italien und diese Woche aus den Niederlanden. Sie führen zum Beispiel Interviews mit den Geflüchteten und fragen wie lange sie schon hier sind oder von wo sie kommen, sowas halt. Die Niederländer waren jetzt zum Beispiel hier und sind mit uns einkaufen gegangen und haben das bezahlt. Sie sind aber auch in die Jungle-Camps mit gefahren um sich ein Bild von den Situationen zu machen. Jungle-Camps sind die Camps in den Feldern und Wäldern, sozusagen. Sie bestehen überwiegend aus jungen Männern. Aber letzten Mittwoch sind wir auch zu einem gefahren, wo sich auch zwei Familien befinden, da kam sogar das Fernsehen! RTL.

Und in den letzten Wochen ist mir nochmal mehr vor Augen gekommen, was für ein Privileg es ist, so aufgewachsen zu sein. In Sicherheit und Frieden. Und dafür bin ich unglaublich dankbar!!! Man muss sich nicht dafür schämen oder sich rechtfertigen, denn es ist ein Geschenk. Aber man kann versuchen ein stückweit dafür zu sorgen, dass andere Menschen auch die Chance auf solch ein Leben bekommen. Bei Hier Helfen könnt ihr meine Organisation gerne unterstützen und es ermöglichen, dass noch viele Freiwillige nach mir, vor Ort in einem Projekt mithelfen können. 🙂

In diesem Sinne, bleibt Gesund und vidimo se!

Eure Patricia

6 Gedanken zu “Angekommen?!

  1. Liebe Patricia,
    vielen lieben Dank, dass du uns an deiner Reise teilnehmen lässt. Ich denke, dass die Bilder nicht im Entferntesten das widerspiegeln, was du selbst erleben darfst. Es ist schön, dass du „angekommen“ bist. Das freut mich sehr.
    Ich wollte eigentlich nach deinem ersten Eintrag schon was schreiben, kam nur noch nicht dazu.
    Es ging um Heimweh…. Warum auch immer ist mir „Momo“ eingefallen und damit die Erklärung von Beppo Straßenkehrer.
    ……..
    Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

    Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

    Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

    Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“
    (Michael Ende)

    In diesem Sinne liebe Patricia, schau nicht ans Ende des Auslandsjahres sondern nur auf den nächsten Tag. Dann ist das Jahr ruckzuck rum. 😊

    Pass auf dich auf.
    Liebe Grüße Alex

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Alex,
      Vielen Dank für deine lieben Worte 🙂 Ja, ich kenne dieses Zitat! Gefällt mir auch sehr gut! Ich werde daran denken beim nächsten Mal!
      Viele liebe Grüße Patricia

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  2. Liebe Paddy,
    ich freue mich sehr, dass du gut angekommen bist!!
    Es ist, gerade als Eltern, schön zu hören, dass sich die Leute dort gut um dich kümmern, und dass sie nett und freundlich sind.
    Das sind alles so tolle Bilder und Schilderungen von dir, da bin ich schon sehr neugierig wie es ist, wenn ich dich irgendwann einmal besuchen komme.
    Genieße die Gastfreundlichkeit und sauge die Erlebnisse auf – das sind alles Dinge, die du bestimmt nicht mehr vergisst und noch lange davon zehren kannst!
    ponosan sam na tebe!!

    Liebe Grüße (Andi) Papi

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Paddy…Jetzt bist du schon fast einen Monat in Bosnien und endlich, endlich komme ich dazu in deinen Block zu schreiben (allerdings meine Sprachnachrichten sind auch nicht schlecht, oder…lach) Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich habe so unglaublichen Respeckt davor, dass du Dich für diese Reise, diese Arbeit, dieses Jahr entschieden hast. Und ich kann mich allen anderen nur anschließen, genieße es, halte durch (wenn es jemand schafft, dann DU),
    hab eine tolle Zeit, es wir dir so viel bringen!! Vielen Dank, dass du uns teilhaben lässt, wir freuen uns über weitere Bilder, Beiträge, Nachrichten (auch Sprachnachrichten 🙂 ..) alles Liebe, Chrystel mit allen !!!

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Chrystel,
      Wie ich auch schon den anderen geantwortet habe… vielen Dank für die lieben Worte und ich weiß das wirklich sehr zu schätzen, dass so viele hinter meiner Entscheidung stehen und mich dabei unterstützen und Interesse haben, zu erfahren was bei mir alles so passiert! 🙂 Vielen lieben Dank!
      Viele Grüße Paddy

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